„… nichts bleibt, nichts ist abgeschlossen und nichts ist perfekt.“ (Richard R. Powell über Wabi-Sabi)


Ich gehe davon aus, dass der Geltungsbereich dieser Aussagen weit über den der japanischen Ästhetik hinausreicht und einen direkten Bezug zur Wegwerfgesellschaft der westlichen Welt besitzt. In meiner Interpretation gebe ich Objekten, die nach unserem Wertesystem an der niedrigsten Stufe ihrer Existenz angekommen sind, jedoch dank vom Menschen erdachter Technologien aus langlebigen Materialien bestehen, einen neuen Nutzungszyklus.

Wollten wir nicht anfangen, den Wert der Dinge in notwendigem Zusammenhang mit ihren allumfassenden Auswirkungen zu erkennen, dann werden wir im Laufe der Zeit unseren eigenen Rückständen weichen müssen;

Rückstände - geboren von Maschinen, geformt in rhythmischer Frequenz unendlicher Wiederholungen einer einzigen schöpferischen Geste als symmetrische Gebilde. Ich versuche, aus der ureigenen symmetrischen Form wertloser und abgedienter Gegenstände eine neue zu finden, um sie weiterleben zu lassen. Alte und neue Form sind miteinander verwandt wie Vergangenheit und Zukunft. Die neue Form will Gegenwart wiederspiegeln, vor Allem aber in Richtung Zukunft weisen, indem sie sich kritisch mit der Vergangenheit

auseinandersetzt: Die neue Form interpretiert dieselben symmetrischen Prinzipien ihres Ursprungszustandes unter Einsatz einfachster technischer Mittel und somit eines minimalen Energieaufwandes.

Aus diesem Grund weist sie Unregelmäßigkeiten auf. Diese stehen in spannungsreichem Verhältnis zur Utopie der perfekt-symmetrischen Form und stellen einen weiteren Bezug auf das im Eingang genannte Zitat her.

Die menschliche Wahrnehmung ist darauf spezialisiert, abweichende Details der Gesamtwirkung eines ästhetischen Sachverhaltes diesem unterzuordnen und ihn sich so durch eigenes Zutun anzueignen.

Ein unangemessener Perfektionismus setzt diesen Mechanismus außer Kraft und erschwert dem Nutzer oder Betrachter, ein persönliches Verhältnis zum Objekt zu finden. Sein Fehlen (Perfektionismus) führt zwangsläufig dazu, dass das Konzept des Ganzen nicht mehr wahrgenommen werden kann. In jeder einzelnen meiner Arbeiten versuche ich, mich dem Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen so weit wie möglich anzunähern und empfinde die daraus folgende Schwingung als vorwärtsweisend.

Nadja Galli Zugaro, April 2013